Arkusberg-Blog

19.06.2017

Würmer - selektive Kontrolle oder konventionelle Bekämpfung


Wie gefährlich ist die konventionelle Entwurnung und wie wirksam ist eine alternative Entwurmungsmöglichkeit?

Rubrik:Pferdegesundheit 

Pferde werden seit 1940 entwurmt. Die erste Entwurmung erfolgte über eine Nasensonde, die nur von einem Tierarzt verabreicht werden konnte. Ein weiter Nachteil war, dass sie zu dem starke Nebenwirkungen hatte. Die Tiermedizin stand vor einer großen Problematik, denn etliche Pferde starben an Darmparasiten. Dies bedeutet große wirtschaftliche Schäden, denn Pferde waren zu dieser Zeit fast ausschließlich Arbeitstiere.
25 Jahre später gab es Wurmkuren, die oral verabreicht werden konnten. Das war der Durchbruch, denn nun konnten Pferdebesitzer selber die Wurmkuren verabreichen und auch die Nebenwirkungen waren deutlich niedriger.
In einem Intervall von acht Wochen wurden die Darmparasiten mit einer Wirkstoffgruppe der Benzimidazole bekämpft. Der wirtschaftliche Schaden durch die Parasiten konnte nun erstmalig drastisch reduziert werden.
Heutzutage gibt es nicht nur große Strongyliden, sondern auch kleine Strongyliden, Magendasseln und Spulwürmer. Ein massiver Befall führt zu lebensgefährlichen Koliken, insbesondere bei Jungpferden und Fohlen.
Durch die intensiven Entwurmungsintervalle von nur acht Wochen haben sich massive Resistenzen, insbesondere bei den Spulwürmern, entwickelt.
Mit der Zeit gab es immer neue Wirkstoffe, doch diese sind begrenzt und ein Umdenken muss stattfinden.
Die Tendenz geht zu einer selektiven Entwurmung. Hierzu findet eine mikroskopische Beurteilung des Pferdekots statt, die genaue Kenntnisse über den Parasiten voraussetzt.
Der Therapieerfolg ist abhängig von mehreren Parametern.

 Kotprobe JA! Aber richtig:

  • Die Kotprobe muss immer frisch sein, das bedeutet nicht vor dem Wochenende oder Feiertagen entnehmen und sie muss dem Pferd klar zugeordnet sein.
  • Die Kotprobenentnahme, von 4 bis 5 Ballen, erfolgt mindestens viermal im Jahr mit Einmalhandschuhen (Schutz vor Eigeninfektion).
  • Liegt der Verdacht eines Bandwurm- oder Leberegelbefalls vor, erfolgt die Entnahme an drei bis vier aufeinaderfolgenden Tagen. 
  • Die Temperaturen sollten beim Lagern und Versenden nicht mehr als 10-15 °C betragen (Versand mit Kühlakku).
  • Angabe der Wurmpaste der letzten 12 Monate angeben

Sofern Parasiten bei der Kotprobe festgestellt werden, muss entsprechend und gezielt entwurmt werden. 14 bis 21 Tage danach sollte die Wirkung nochmal überprüft werden.

Natürlich gibt es auch wirksame Methoden, um einem Wurmbefall vorzubeugen. In erster Linie sollte eine organisierte Stall- und Weidehygiene herrschen. Futterstellen und Lagerplätze sollten sauber und frei von Ungeziefern und Nagern sein.
Bevor neue Pferde in die Herde integriert werden, empfiehlt es sich diese mindestens 3 Tage vorher zu entwurmen. Wenn all diese Maßnahmen beachtet werden, ist man auf einem guten Weg.

Meiner Meinung nach ist es ein sehr spannendes Thema und ich werde nächstes Jahr nochmal einen Beitrag dazu schreiben, wie wir das ganze in der Praxis umgesetzt haben.
Bis Bald
Franziska